Der erste Kontakt mit Peking und dem Fahrer unserer Maklerin

VerkehrschaosFlug – Jetlag – Hochhäuser – Stau- Chaos – ein bischen Smog, all das haben wir in den ersten Tagen erlebt, aber eine Begegnung am fünften Tag unseres ersten Pekingaufenthaltes verdient der besonderen Erwähnung, nämlich die mit dem Taxifahrer unserer Maklerin.

Aber von vorne: Wie alle ausländischen Neuankömmlinge, die nach Peking übersiedeln und deren Aufenthalt nicht vollständig von der Firma übernommen wird (vgl. Expats), muss man einige Zeit mit einer Immobilienmaklerin einplanen. Susann, eine nette Chinesin mit perfektem Englisch kündigte uns schon beim ersten Treffen an, dass Sie ein extra großes Auto besorgt habe, damit wir auch genügend Platz hätten. Wir, das waren die Maklerin, der Fahrer, ein weiterer suchender Kollege. Fünf Erwachsene!  An dieser Stelle darf durchaus erwähnt werden, dass in Peking große protzige Autos nichts Ungewöhnliches sind und wir daher einen Minivan oder Ähnliches erwarten dürften.
Da stand sie nun, Suzann, die Maklerin mit ihrem Fahrer und der angekündigten großen Limousine: einem Honda Civic (Anm.: ein Honda Civic hat die Größe eines Golfs!). Hmmmm….

Aber egal, Ansprüche stellten wir an die Wohnung, nicht ans Taxi. Es galt also: einsteigen, Türen zu, anschnallen. Aber ein energisches “NEIN!” ( [bù])  des Fahrers in Richtung des mitfahrenden Kollegen und eine deutliche Handbewegung, den Gurt nicht zu benutzen, ließ das Gespräch zwischen uns sofort verstummen. Gedanken schossen uns direkt durch den Kopf. Aussteigen? Etwas sagen? Wir entschieden uns aus Höflichkeit mitzufahren und den Mund zu halten. Der Fahrer drückte aufs Gaspedal und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir bereits unsere Höchstgeschwindigkeit. Der Tacho zeigte sagenhafte 25 km/h und das auf einer dreispurigen Schnellstraße! Elektrofahrräder, Fußgänger, einfach jeder schien uns zu überholen. Das anfänglich noch subtile Lachen ging allmählich über in lautes Gelächter. Galgenhumor!

Dann kam sie, die erste Großkreuzung und alle Befürchtungen, dass wir vielleicht mit diesem Fahrer  noch größeren Gefahren ausgesetzt sein werden, schienen sich zu bewahrheiten. Kollege Taxifahrer musste auf einer vierspurigen Schnellstraße rechts abbiegen. Blinker setzen, Fehlanzeige. Das Lenkrad aber erst nach links, also entgegengesetzt zur Abbiegerichtung reißend, langsamst in die Gegenspur fahrend und laut hupend und schimpfend alle anderen Autofahrer quasi wegbeamen zu wollen, befremdete uns doch etwas. Plötzlich die Einsicht: Das Lenkrad wurde gaaanz laaangsaaam nach rechts bewegt, die Geschwindigkeit erreichte sagenhafte 20- 25 km/h und wir bewegten uns in die eigentlich angedachte Fahrtrichtung. Selbstverständlich war die Ampel mittlerweile längst rot und um uns herum fuhren überall Autos. Kreuz und quer. Der Fahrer aber blieb jetzt erstmalig stur auf Kurs und fuhr durch die aus allen Richtungen kommenden Fahrzeuge des Gegenverkehrs unversehrt auf die neue Straße. Geschafft! Unglaublich! Eine Meisterleistung!

Und dann war da noch die Sache mit dem Lenkrad und den unerklärlichen Lenkbewegungen. Auf gerader Strecke, die Geschwindigkeit zwischen 10 und 30 km/h einpendelnd, drehte unser Fahrer immer wieder relativ unmotiviert am Lenkrad. Ein System oder Gründe für die Lenkbewegungen waren nicht auszumachen. Es schien einzig und allein darum zu gehen, auf keinen Fall geradeaus zu fahren. Egal wer oder was neben uns fuhr, Hauptsache das Lenkrad rostete nicht ein und blieb in permanenter Bewegung. Teilweise waren die Lenkbewegungen schneller, als die Umdrehungen der dahinrollenden Räder.
Irgendwann glaubten wir die Ursache für die Lenkbewegungen gefunden zu haben. Vielleicht waren Schlaglöcher, Kanaldeckel und Straßenunebenheiten der Grund für die Schlangenlinien. Der Fahrer wollte vielleicht bloß sein Auto schonen?!? Spätestens aber auf einer großen vierspurigen Schnellstraße, die überraschend leer war, keine Unebenheiten und Schlaglöcher aufwies, wurde unsere Theorie zerstört. Der Kerl fuhr immer noch, wie ein Besoffener nach rechts, dann wieder nach links, um plötzlich diagonal von ganz rechts nach links die Spur zu wechseln.

Fazit:
Das Ganze hatte System und wir werden drei Jahre Zeit haben, herauszufinden, was hinter dieser eigenartigen Fahrtechnik steckt. Ein Einzelfall? Chinesische Fahrkultur? Who knows?

Tipps:
Kreuzungschaos (Bild | ext. Link zu morgenpost.de)
Taxitipps (ext. Link | 20 ultimative Hinweise)

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2 Replies to “Der erste Kontakt mit Peking und dem Fahrer unserer Maklerin”

  1. So geil der Bericht!
    Ich hab die Lösung: die Taxifahrer rechnen doch nach Entfernung ab…

  2. […] Da der Chinese im Allgemeinen aber nicht viel von Schildern und Verkehrspolizisten hält (s.a. Blogbeitrag), müssen wirksamere Maßnahmen ergriffen werden. Überall wurden in den letzten sechs Wochen […]

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