Der Müll ist weg!

Müll? Ein Blogbeitrag über Müll? Gehts noch? NEIN, mir sind nicht die Ideen ausgegangen! Aber es gibt einen Anlass: Im Sommer, während des Aufenthaltes in Deutschland, gab es Situationen mit den Kindern, die mir deutlich machten, dass Müll und die damit verbundene Müllabfuhr einen Blogbeitrag wert sind.

 

Von vorne

Wir wohnen in Peking, im 18. Stock eines Hochhauses. Es gibt insgesamt vier Tower und in jedem Tower gibt es pro Etage zwei Apartments. Und all die Leute, die hier wohnen, produzieren Müll. Viel Müll sogar und sie machen sich, so meine These, nicht sonderlich viel Gedanken, um die Müllmengen. Warum auch? Es gibt schließlich die Müll-Ayi. Müll-Ayi? Jawohl, die heimlich im Untergrund, still und leise agierenden fleißigen Helferlein der (zahlenden) Oberschicht, die dafür sorgen, dass es uns gut geht. So auch beim Müll. Für uns ist die Sache SOOO einfach. All den Müll, den wir in der 18. Etage produzieren, stellen wir vor die Tür in einen kleinen Abfalleimer im Rettungstreppenhaus. Glas, Papier, Plastik, Batterien, Farbeimer….egal. Tür auf, Mülleimerklappe hoch, weg damit, Tür zu. So einfach ist das!

 

Das Elektro-Müllauto

Und dann? Wie kommt der Müll in die Mülldeponie? Wie wird er getrennt? Fragen, die auf den ersten Blick banal wirken und erst dann an Bedeutung gewinnen, wenn man hier ein paar Tage durch Peking gelaufen ist und niemals einen Müll-LKW zu Gesicht bekommt. Wie auch, es gibt sie in der uns bekannten  Form in den Wohngebieten der Millionenmetropole einfach nicht.
Stattdessen? Stattdessen fahren kleine rosafarbene Elektromobile durch die Stadt und bringen genau 10 Mülltonnen an die Müllsammelplätze, die im Regelfall direkt neben einem Wohngebäude platziert sind. Zwischen 5 und 7 Uhr morgens ziehen sie ihre Runden und sammeln den Müll aus den riesigen Wohnhochhäusern ein. Ich bin mir sicher, dass eine Fahrt pro Tag, d.h. 10 Mülltonnen pro Tag nicht ausreichen, um ein Wohnhochhaus unserer Dimension täglich vom Müll zu befreien.

Mülltrennung

Und die Mülltrennung? Im Haushalt gibt es sie nicht. Das steht fest! Aber spätestens, wenn der Müll außerhalb unserer Apartmenttür ist, beginnt das NICHT staatlich organisierte Mülltrennen. Viele, viele Arbeiter trennen aus dem Gesamtmüll die verwertbaren Bestandteile. Hin und wieder sieht man sie auf den Straßen Pekings herumfahren. Auf kleinen Dreirädern haben sie einen riesen Berg aus Plastikflaschen oder Papier oder aber Styropor angehäuft und bringen diese zu den Verwertungsanlagen.

 

Fazit

Und wo ist der Bezug des zu Beginn angesprochenen Deutschlandaufenthaltes? Ganz einfach, unsere Jüngste hatte beim Besuch in Deutschland die Aufgabe erhalten, die Mülltonne reinzuholen, die ich tags zuvor auf die Straße gestellt hatte. Völlig aufgelöst kam sie wieder rein und klärte uns auf:”Unsere Tonne ist noch da! Die haben die gar nicht mitgeholt!” Es dauerte en klein wenig, bis wir die Worte einordnen konnten. SIe war der Meinung, dass die Tonnen, so wie in Peking, mitgenommen werden und ein paar Minuten später wieder entleert am Haus auftauchen. Nicht groß erwähnt werden muss wohl auch, dass die Bedeutung der verschiedenen Tonnenfarben zu der ein oder anderen Lehrstunde in Sachen Mülltrennung führten. Keine Müll-Ayi! Keine stillen Elektro-Müllautos! Die Rückkehr nach Deutschland wird spannend…

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