Die adipösen Tiger von Harbin

Wie ich auf diesen Blogtitel kam? Ganz einfach, der erste Blick auf einen der angeblich 1000 sibirischen Tiger in der Pflegestation in Harbin erinnerte mich mehr an ein Marshmallowmännchen mit Teddybärkostüm, als an eine gefährliche und athletisch dahinschleichende Raubkatze.

Aber von vorne…

Über das Eisfestival in Harbin hatte ich mich bereits mit viel Begeisterung in einem Blogbeitrag vom 20.02.2017 ausgelassen. In der Vorbereitung auf Harbin und der Planung unserer kostbaren 2 Tage wurden wir immer wieder auf den “Siberian Tiger Park” aufmerksam. Tripadvisor und Co. listen diese Sehenswürdigkeit ausnahmslos unter “Must Do” auf! Und wenn man dann auch noch in den Userbewertungen Sätze wie “Unser Highlight der Reise” liest, kommt man nicht umhin, den Park in das eigene  Besuchsprogramm aufzunehmen.

Die Ernüchterung

…aber war sehr schnell da. Erst einmal hieß es mit vielen Chinesen anzustehen, um anschließend in einen Bus einzusteigen, der aussah, als wäre er ein Überbleibsel der Jurassic Park Filme. Nun gut, so ein Tiger hat sicherlich auch die Kraft und das Gebiss eines Tyrannosaurus. Und die Sicherheit geht schließlich vor. Befremdlich war lediglich, dass bereits nach kurzer Zeit die Chinesen die kleinen Fenster neben den Eisengitter aufrissen, um Bilder zu knipsen. Hmm.
Und dann der erste Tiger. So hatte ich mir ehrlich gesagt eine jagende Raubkatze nicht vorgestellt. Genausowenig wie ich mir Usain Bolt mit dem Körperbau eine Sumoringers vorstellen kann. Da passte etwas einfach nicht zusammen. Als dann noch ein Ranger im Mad Max Jeep angefahren kam und lebende Hühner aus dem Auto schmiss, war klar: Bewegen müssen sich die Katzen hier nicht. Fressen dürfen sie dafür umso mehr!
Auch das weitere Ambiente war nicht unbedingt von Ästhetik geprägt. Im Hintergrund waren immer wieder die typisch chinesischen Hochauskomplexe sichtbar, die Stahlgänge, durch die wir laufen dürften (mussten), erinnerten an einen Gefängnistrakt.  Besonders befremdlich waren auch die an allen Ecken stehenden Verkäufer. Hier konnte man lebende Perlhühner für kleines Geld kaufen, die man dann über eine Eisenrutsche an die Tiger verfüttern konnte. China Style. Sie lieben es, wir nicht!

Und sonst so?

Sicherlich steckt hinter dem Park ein hervorragender Ansatz. 1996 gegründet, widmet man sich seitdem dem Erhalt der gefährdeten Spezies. Mittlerweile ist der Bestand im Park auf ca. 800 Tiere angewachsen. Das bestätigt den Erfolg der Maßnahmen. Dennoch komme ich nicht umhin, den für die neugierigen Touristen geöffneten Parkteil, als “nicht sehenswert” einzustufen. Der Park wirft mehr Fragen auf, als er Antworten liefert. Schade!

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