Die spinnen, die…

…NEIN, nicht die Römer! Diesmal die Chinesen. Bereits in vergangenen Beiträgen hatte ich von einer Welle der Erneuerungen berichtet (s.a.http://blog.lotharpalm.de/beautification/ ). Dachte ich zu Beginn noch, dass es sich um rein optische Veränderungen handelte, wie Bürgersteige neu pflastern, Zäune streichen usw., so stelle sich nach kurzer Zeit heraus, dass die Maßnahmen weit darüber hinaus gingen. Schier unglaublich waren die Aktionen in den Hutongs und Wohngebieten der Chinesen. Von heute auf morgen kamen Maurer und verschlossen Eingangstüren, Fenster etc. und beraubten die Bewohner ihrer Geschäftsgrundlage. Selbst in der Onlinevariante der New York Times wurde darüber mit einigen tollen Bildern berichtet: https://www.nytimes.com/2017/07/17/world/asia/beijing-china-reconstruction-hutong.html . Auch ein Videobericht der Deutschen Welle zeigt Bilder der “Beautification Campaign”: https://www.youtube.com/watch?v=n_JRAk0qkoQ

Irgendwie rumorte es aber weit darüber hinaus. Erste Gerüchte tauchten auf, dass komplette Restaurantstraßen und typisch chinesische Markthallen einfach abgerissen werden sollen. Aber als Expat und der Sprache nicht mächtiger entstehen Gerüchte schnell und man hat wenig Möglichkeiten, sie zu überprüfen.
Und dann kam der Schock! Am Samstag ging ich, wie so häufig, zu unserem chinesischen Kleintierhändler. Er hat sein kleines Geschäft in einer riesigen chinesischen Markthalle. Dort gibt es ALLES. Fleisch, Fisch, Gemüse, Kleidung, Sanitärartikel, Schuhe, Tiere, eben ALLES. Beim wöchentlichen Einkauf für unsere Meerschweinchen (Streu und Futter) hatte er dann bei der Abrechnung Tränen in den Augen. Mit Händen und Füßen, mit ein wenig Chinesisch, ein wenig Englisch erklärte er mir, dass der ganze Markt am 31.12. dicht gemacht wird. Am 01.01.2018 würden die Bagger anrollen und mir ihrem zerstörerischem Werk beginnen. Auf die Frage, was er mit seinem Laden passiere, zeigte er mir seinen Onlineshop bei Taobao (s.a. Blogbeitrag über Taobao ).

Was soll das alles? Klar ist, dass eine kleine Nudelsuppenbude einen Platz belegt, der, wenn man ihn an Spekulanten verkauft, Millionen wert ist. Geht es nur ums Geld? Oder steckt wirklich eine gezielte Maßnahme dahinter, um das chaotische (aber durchaus liebenswerte !) Stadtbild nachhaltig zu verändern? Auch ist unbestritten, dass viele der kleinen Läden von “Zugereisten” betrieben werden. Und diese Zahl will man eindämmen, d.h. die Bevölkerungszahl Pekings bei ca. 23 Millionen stabilisieren.
Vielleicht gibt auch ein Interview Kai Strittmatters ein paar Antworten auf diese Fragen. Er äußerte sich erst kürzlich (wieder) in einem kurzen SZ-Interview zum Thema “Stadterneuerung”.

Wie dem auch sei, ich find’s scheiße!

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