Die Tücken des Alltags!

Ich bin mir sicher, dass es auch in Deutschland hin und wieder Hürden und Barrieren  zu überwinden gibt, die einen an den Rand des Wahnsinns bringen. Hier in Peking ist der tägliche “Kampf” mittlerweile zum Alltagsgeschäft geworden und mit einer Prise Humor und der immer noch bei uns vorherrschenden Neugier lässt es sich durchaus recht gut mit den Hindernissen (oder vielleicht besser: mit den Kulturunterschieden) leben.

Blick aus dem (Hotel-) Fenster

Blick aus dem Fenster

Jeden Morgen beginnt der Tag mit dem gleichen Ritual. Lockscreen des Handys entsperren und einen Blick auf die AQI App werfen. Bei einem Wert über 250 (PM2.5) heißt es noch vor dem Frühstück den Tag umzustrukturieren. Atemmasken verteilen und die Absagen jeglicher Outdooraktivitäten am Nachmittag einplanen (d.h. z.B. das Fußballtraining fällt aus). Außerdem werden noch schnell die Luftreiniger angeworfen, um zumindest in der Bude mit sauberer Luft nach der Rückkehr aus der Schule zu leben. Wer mehr darüber lesen möchte, kann auch gerne noch einmal ein Blick in den Eintrag vom September 2014 werfen.

Die zweite große Hürde ist die eigentliche Herausforderung in dieser Stadt: der Autoverkehr. Auch wenn ich bereits ausführlich über die Teilnahme am Straßenverkehr in der Vergangenheit berichtet habe (vgl. Blogbeitrag vom Oktober 2014), so werde ich doch jeden Morgen aufs Neue von den chaotischen Verhältnissen auf den Straßen zu potentiellen neuen Blogbeiträgen inspiriert. Sehr oft hätte ich gerne eine Kamera dabei, um das Unglaubliche auch dokumentieren zu können. Insbesondere, da mir die verbalen Schilderungen sowieso keiner glauben würde. Wie bringt man rüber, dass in den Hauptverkehrszeiten der Bürgersteig allen Verkehrsteilnehmern zugänglich ist, nur nicht den Fußgängern? Wie beschreibt man, dass beim Fahren auf dem Fahrradweg der von hinten kommende Bentley laut hupend sein Recht (?) einfordert?
Gewöhnung an diese Verhältnisse? Bisher Fehlanzeige! Ich nehme an, dass es auch nie eine Gewöhnung geben wird bzw. geben darf, da mir irgendein Urinstinkt sagt, dass ansonsten meine Überlebenschancen sinken.

Und da wäre natürlich noch der tägliche Einkauf, der notwendig ist, um eine fünfköpfige Familie zu ernähren. In Deutschland mag die einzige Hürde die lange Schlange an der Kasse sein oder die übellaunige Kassiererin. Beides kann einen selbstverständlich auch hier erwarten! Aber schon vor dem Einkauf heißt es “Gedanken machen”. Was kauft man ein und vor allem,wie bekommt man es nach Hause? Mit dem Auto? Fehlanzeige! Taxi? Wieder Fehlanzeige, denn Taxis fahren keine Strecken unter einem Kilometer (Anm.: da nichtlohnend). Getränke einkaufen ist somit ein großes logistisches Problem. Wie bekommt man die Palette Sprudelwasser, wie das Paket Bier nach Hause? Der Elektroroller muss herhalten und in der Regel heißt es bei größeren Getränkeeinkäufen mehrmals fahren. Den Rest des Einkäufe verstaut man im Treckingrucksack. Soll heißen: Mehr als das Volumen des Rucksackes hergibt, kann nicht auf einmal eingekauft werden.

Aber auch was den eigentlichen Einkauf bzw. die Auswahl der Nahrungsmittel betrifft, muss man sich neu organisieren. Vieles entspricht dem asiatischen Prinzip “same, same, but different”. So bleibt es nicht aus, dass man, um den eigenen und den Gaumen der Kinder bei Laune zu halten, häufiger im Importsupermarkt einkauft. Beim Jenny Lou um die Ecke gibt es (fast) alles, an das man sich über Jahre in Deutschland gewöhnt hat. Das hierbei Preise verlangt werden wie bei Louis Vuitton auf der Kö ist selbstredend. Ein Pfund Brot kostet 4,20 bis 5€. Ein Glas Nutella bekommt man für schlappe 5€. Die Butter erscheint dagegen mit “nur” 3,5€ fast als Schnäppchen.

Das aber immer noch größte Hindernisse ist die Sprache. Gut, für ein höfliches “Guten Tag”, ein nettes “Dankeschön” und die Richtungsangabe im Taxi reicht es. Schwieriger wird es schon beim Friseur. Erst neulich mussten die meisten meiner Haare daran glauben, weil ich unfähig war dem Friseur meinen Stylingwunsch zu erklären. Schwupps war mit der Maschine der erste Schnitt getan und meine Kopfhaut dank weggeschnittener Haare sichtbar.

…und trotzdem: Es macht Spaß, die Kultur, das Leben und die Chinesen jeden Tag aufs Neue zu erkunden. Und wer weiß, vielleicht werden wir beim nächsten Einkauf in Deutschland nach den leckeren chinesischen Bonbons suchen und uns ärgern, weil wir bei Aldi und Co. ohne Sinn und Verstand eingekauft haben. Kost’ ja in Deutschland schließlich alles nix!

2 Antworten

  1. Heike sagt:

    Lieber Lothar,
    immer wieder spannend deine Erzählungen zu lesen!
    Ich habe mich sehr gefreut, dass ein Treffen im MB-Kreis bei eurem Deutschlandtripp geklappt hat! 🙂

  2. uli sagt:

    hört sich “interessant” an. danke für den bericht.

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