Google weiß alles…

…aber nicht in China!

Wie komme ich in die Kenn-ich-nicht-Straße? Kein Problem, denn Google Maps und mein Smartphone werden mir weiterhelfen. Searching for an english word?  Kein Problem, denn Google Übersetzer wird mir schnell und verlässlich helfen. Eben schnell den Gmail-Account nach neuen Mails checken. Ein Blick auf den Rechner oder das Smartphone und ich bin informiert. Mal eben etwas für den UNTERRICHT nachschlagen, Google wird weiterhelfen und unendlich viele Seiten vorschlagen, die weit mehr Informationen bereit halten werden, als ich verarbeiten kann. NEIN. GOOGLE weiß hier NICHTS! Denn Google wird geblockt, es funktioniert hier NICHT.
Google Maps? Fehlanzeige! Google-Suche? Netzwerkfehler! Android App Store? Was ist das! Kollaboratives Lernen mit Google Docs? Mal eben im Geographieunterricht Google Earth einblenden? ES GEHT HIER NICHT und das verändert Einiges und bringt bereits nach kurzer Zeit die Einsicht, wie abhängig ich bereits von Google war.

Welche Möglichkeiten gibt es also hier vor Ort in Peking, um die Organisation des täglichen Lebens und die Vorbereitung bzw. Durchführung des Schulunterrichts wie gewohnt absolvieren zu können? Die Sinologen und der chinesischen Schrift Kundigen unter euch  werden nun lauthals aufschreien: “Aber es gibt doch das chinesische Google: baidu  (http://www.baidu.com)” . Karten, Übersetzer, Videos, alles was das Herz begehrt. Richtig! Aber kann ich chinesische Schriftzeichen? Will ich Seiten sehen, die Baidu gefiltert auswirft? Klare Antwort: Nein, ich will nicht!
Obwohl! Eine kleine Besonderheit, die die baidu-Suchmaschine bereit hält, verdient eine Erwähnung. Aufgefallen ist mir die parallele chinesische Netzwelt im Unterricht zur Medienkompetenzerziehung (8. Jahrgangsstufe). Das Thema war u.a. Urheberrecht. Was darf ich, was darf ich nicht im Netz? In Vorbereitubaidung auf einen Videoschnittkurs wollte ich den Schülern klar machen, dass nicht alles, was das Internet auswirft, ohne Bedenken zum eigenen kreativen Umgang genutzt werden darf. Es galt also Alternativen, wie CC-lizenzierte Materialien über die Metasuche von ccsearch aufzuzeigen. Zuhause funktionierte die Recherche mittels VPN-Tunnel hervorragend, in der Schule ging nichts! Der Grund: Die Seiten, die eigentlich dazu beitragen sollten urheberrechtskonform zu arbeiten, funktionierten nicht. Sie waren bzw. sind geblockt.  Abhilfe kam aber sehr schnell von den Schülern. Sie wiesen mich darauf hin, dass doch über die Musiksuchmaschine von baidu.com jede erdenkliche Musik zum Download und Abspielen bereit steht! In China legal und ohne Angst vor der Abmahnung nutzbar. Upps! Das heißt wohl flexibel bleiben und die Unterrichtseinheit für die kommenden 8er nochmals überarbeiten 😉

Abschießend nochmal zusammenfassend: Es gibt hier vor Ort drei “Internetwelten”, mal mit, mal ohne Google. Die erste ist die real existierende chinesische Internetwelt. Alle Seiten mit der Domain *.cn gehen flott und ohne Probleme und das Thema Urheberrecht scheint (zumindest für mich vorerst noch) nicht existent. Alle anderen Seiten, also auch die mit der für uns nicht unwichtigen *.de-Domain laden, laden und laden oder sind gar nicht abrufbar.  Die Surfgeschwindigkeit entspricht in etwa den Modemgeschwindigkeiten der Neunziger.
Die zweite Welt ist die bei uns zu Hause und die mich mittels VPN auf einen Server irgendwo auf der Welt bzw. außerhalb Chinas durchs Internet surfen lässt. Funktioniert prima, kostet aber auch ein paar Euronen im Monat. Aktuell ist der VPN der Fa. Astrill angesagt. Wie lange dieser noch geduldet ist, kann man nur schwer sagen. So ist beispielsweise mein vorheriger VPN-Anbieter seit der APEC (Anfang November) nicht mehr zu gebrauchen, da er geblockt wird.
Nr. 3 ist das Schulinternet. Hier steht der Server in Hongkong und dort funktionieren fast alle Seiten. Meistens. Manchmal aber auch nicht. Ob youtube im Untericht angewendet werden kann oder nicht, erfahre ich zumeist erst, wenn ich mitten im Unterricht ein youtube-Video starten möchte. Und damit wären wir wieder beim Thema “Flexbilität”.

…und wer das Alles nicht glauben kann, sollte doch einfach mal nach China, Internet und Firewall google’n! Oder sagt man auch baidu’en?

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3 Replies to “Google weiß alles…”

  1. …aber das ist jetzt auch nix Neues…und eigentlich bekannt,das das in China so ist…

    1. Ganz ehrlich?! In der Form nicht. Mal gehts, mal nicht…

  2. […] bekommt, wenn man ich China lebt und Kontakt zur Welt außerhalb Chinas halten möchte. In einem früheren Beitrag hatte ich schon einmal ausgeführt, wie schwer es hier ist sich frei und ungezwungen durchs Netz zu […]

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