Raus aufs Eis!

Seit Tagen, wenn nicht seit Wochen haben wir hier das, was man als Traumwetter bezeichnen könnte. Strahlender Sonnenschein bei Temperaturen knapp über 0 Grad und einen fantastisch blauen Himmel. Vielleicht ist an dieser Stelle auch ein dickes “toi, toi, toi” angesagt, denn der befürchtete und von vielen Seiten prognostizierte Wintersmog hat uns bisher noch nicht in die Depression getrieben. Im Gegenteil!

Ein solcher Traumtag war dann auch Anlass für uns, die Schlittschuhe auszupacken und zum Eislaufen auf einem zugefrorenen See nahe der verbotenen Stadt zu fahren!

Als Nicht-Autobesitzer beginnt das Vorhaben “Eislaufen mit der ganzen Familie” erst einmal mit der Planung und logistischen Bewältigung der Anfahrt. Schlittschuhe in den Rucksack packen, Getränke und Essenshappen vorbereiten und nicht zuletzt überlegen, welche Kleidung angemessen ist. Mit dem gepackten Rucksack und dem Gefühl den ganzen Kleiderschrank auf dem Rücken tragen zu müssen, ging es dann mit dem Rad zur U-Bahnstation. Die eigentliche Bahnfahrt dauerte dann noch einmal ca. 30 min, ehe man nach  zweimaligem Umsteigen wieder das Tageslicht erblicken dürfte.  Nach den Preiserhöhungen im vergangenen Monat kostet so eine Fahrt (ca. 14 km) nun das Doppelte. Statt 25 muss man nun ca. 55 Cent (=4RMB) U-Bahngebühr blechen. Das sind für uns immer noch paradiesisch klingende Preise, für viele Einwohner bedeutet die Verdopplung aber einen vehementen Einschnitt in der Ausgabenplanung. Man möge sich nur vorstellen, wie der Kölner reagieren würden, wenn man die Straßenbahngebühr von 2,70€ auf 5,40€ erhöhen würde. Der Aufschrei der KVB-Kunden wäre weit über die Stadtgrenzen hinaus hörbar.

Zurück zum eigentlichen Ziel unserer Fahrt: der Eisfläche bzw. dem Beihai-Park im Herzen Pekings. Schon beim Verlassen der U-Bahnstation wurde uns klar, dass wir nicht die einzigen Besucher und Eissportler sein werden. Vor dem Eislaufvergnügen stand allerdings erst einmal der Ticketkauf an. Mit unseren immer noch vorherrschenden Minimalst-Chinesischwortschatz eine weitere Herausforderung. Irgendwie klappte es aber doch und ausgestattet mit einer elektronischen Chipkarte wurde uns der Zutritt zur Eislauffläche gewährt. Sofort wurden wir umringt von Schlittschuhausleihpersonal (jawohl, davon gibt es fast genau so viele auf der Eisfläche, wie Schlittschuhläufer!), so dass innerhalb weniger Minuten die Schlittschuhe angeschnallt waren.
Das eigentliche Happening ist die Eislauffläche und die vielen Formen der Fortbewegung bzw Fortbewegungsmittel. Vom Spaziergänger, über den Eisfahrradfahrer bis hin zu eigenkonstruierten Stahlschlitten ist alles in Bewegung. Nicht verwunderlich wäre gewesen, wenn der ein oder andere sein Bett oder Sofa mit Eiskufen versehen hätte. Ist nach ein paar Runden eine Stärkung gefällig, so hält man einfach an einem der vielen kleinen Snackstände. Zuckerwatte, Getränke, Süßkartoffeln. Für jeden chnesischen und europäischen Gaumen ist definitiv etwas dabei.

Fazit: Ein MUSS für den Pekingbesuchen in der Winterzeit (vorausgesetzt das Wetter spielt mit und der Smog wird durch einen kräftigen Nordwind weggeblasen)!

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4 Antworten

  1. Micha sagt:

    Mensch Lothar, das liest sich wirklich toll. Du solltest Bücher schreiben…

  2. Christian Strosing sagt:

    Zum Glück bist du kein Mathelehrer (Prozentrechnung). Frohes Neues Jahr! 😉

    • Lothar Palm Lothar Palm sagt:

      Gott sei Dank gibt es im Netz keine Auflagen, sondern ein einfaches Klicken auf “Del”! Habe mich aber auch umgehend bei den Chinesen beschwert, dass sie den U-Bahnpreis nicht an meine 50%-ige Vorgabe angepasst haben, sondern eigeninitiativ tätig waren.

  3. Dagmar sagt:

    Mit so einer Schlittenkette könnte man bestimmt nen tollen Stop-Motion-Film drehen.

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