Kleine Geschichten in einer großen Stadt!

Die Stadt ist groß, sehr groß. Und auch wenn man sich hauptsächlich in „seinem“ Stadtteil aufhält, bleibt sie es: Einfach nur GROSS! Wir wohnen im Chaoyang District. Hier sind die Botschaften und Banken angesiedelt und nebenbei wohnen hier auch noch ca. 5 Millionen Menschen aus aller Welt.
Und dennoch gibt es sie, die kleinen abgeschiedenen Hutongs und die kleinen Anekdoten von der Straße, die einem immer wieder vor Augen führen, dass sich doch nicht alles um Geld, Poltik und Oberflächliches dreht. Es sind die Geschichten, die diese Stadt liebenswert machen!

Outddoor Dienstleistungen

Spontan fallen mir in Deutschland wenige (bis gar keine) Dienstleistungen am Menschen ein, die außerhalb der vier Wände in Anspruch genommen werden können. Im Gegenteil, das Meiste findet in einem nett ausgestatteten Salon statt. Friseur, Masseur, Zahnarzt,  um nur einige zu nennen, bekämen in Europa wahrscheinlich gar keine Erlaubnis zur Ausübung Ihres Gewerbes ohne Dach über dem Kopf. In Peking ist es (manchmal) anders. An den schier unglaublichsten Stellen findet man eben diese “Handwerker”. Im Koffer das Haarwerkzeug oder im Falle des Masseurs ein keiner Massagehocker und schon kann es losgehen. Auch kleine Kisten mit Ersatzzähnen und Gebissen habe ich in dem ein oder anderen Park schon gesehen. Man findet sie dort, wo potentielle Kundschaft auftauchen könnte. An der Bushaltestelle (Masseur), im Park (Friseur), überall dort, wo es noch “chinesisch” zugeht und AUsländer sich nur selten blicken lassen.
Ich habe mir sagen lassen, dass ein Outdoor-Haarschnitt ausgesprochen günstig ist. Mit 10 RMB, umgerechnet 1,30€ ist man dabei. Was ein Zahnarzt kostet ist mir nicht bekannt, ebenso, ob er meine deutsche Versichertenkarte akzeptert. Aber selbst wenn, würde ich diesen Schritt NICHT wagen.

Wenn der Postbote kommt…

….und keinen Briefkasten mehr findet, muss er sich zu helfen wissen. Am Besten nimmt man ein kleine Klemme und befestigt das antike Schreibstück irgendwo an der neu verputzten Mauer, an einem der vielen herumhängenden (Internet-) Kabel.  Im Zuge des Beautification-Wahnsinns, ich schrieb bereits mehrfach darüber, wurde wahrscheinlich der schöne alte Briefkasten einfach “weggebeautificatet”. Was soll man auch mit dem guten Stück? Der Brief hat im modernen China ausgedient und ein eigener Briefkasten passt nicht mehr ins staatlich verordnete Einheitsbild der “neuen” Hutongs. Riesige Windows-Leinwände in kunstvoll installierten Veranstaltungen inmitten der Hutongs zeugen davon, dass eine andere, eine briefkastenlose Zeit angebrochen ist.

Tischtennis

Welche Sportart(en) verbindet man mit China? Ich denke sofort an die Klassiker: Tischtennis und Turnen. Und in der Tat findet man die Ausübung dieser beiden Sportarten an vielen öffentlichen Plätzen bzw. in den dafür eigens eingerichteten Sportbereichen der Hutongs. Im Normalfall sind es eher Ältere, die sich öffentlich sportlich betätigen wollen. Da ich ebenfalls zu dieser Generation gehöre, könnte ich es mir als ehemaliger TT-Spieler bei meinem letzten Hutongausflug nicht nehmen lassen, die Hutonggrößen zu einem kleinen Match herauszufordern. Die anfängliche Skepsis, ob eine Langnase wie ich mit dem kleinen Ball und einem Schläger überhaupt umgehen kann, war relativ schnell verflogen. Im Gegenteil, der Platzhirsch und ungekrönte TT-Held wurde mir relativ schnell vorgestellt, damit ich mich mit ihm messen konnte, nein musste! Super! Er mit klassischem und China typischem Penholder, ich mit europäischer Shakehand-Technik. Ein Match auf Augenhöhe, in dem ich dank des um etwa 10 Jahre geringeren Alters am Ende punkten konnte.
Nicht messen wollte ich mich danach allerdings mit den 70-jährigen, die an den Sport-und Trimm-Dich-Geräten Ihre Dehnfähigkeit zur Schau stellten. Ich wäre gnadenlos untergegangen…

Sing, Vogel sing!

Inmitten einer großen Kreuzung findet man eine kleine Parkanlage mit einem vielleicht 8 x 8m großen asphaltierten Platz. Überall ältere Menschen, überall Vogelkäfige. Das ist einer dieser magischen Orte in der Megastadt Peking, die ihresgleichen suchen. Jeden Tag treffen sie sich hier, die Pensionäre, um über ihren Singvogel zu philosophieren. Tagein tagaus bringen sie ihre teils antik anmutenden Vogelkäfige mit und diskutieren in Kleingruppen über ihre Piepmätze. Dazwischen versucht der Heuschreckenverkäufer seine zirpenden Freunde an Mann und Frau zu bringen.
Bei tollem Herbstwetter ist dieses Schauspiel beste Unterhaltung. Ein Fest für die Sinne!

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